Schon
mit Gründung unseres Vereins im Jahre 1904 bildete sich eine
kleine Gruppe, die sich der Leichtathletik verschrieben hatte. Mit
der Ausrichtung des Sport- und Spielfestes im August 1906 traten die
Leichtathleten dann erstmals an die Öffentlichkeit. Und sie
waren erfolgreich : die Brüder Hirdes belegten die Plätze 2
und 3 im Hürdenlauf. Dritte
Plätze gab es für Koch mit 72,90 m Cricketweitwurf (!) und
Nieling über 1500 m in 5:16 Min., Karl Niklas bestritt im Jahr
1930 in Recklinghausen-Süd seinen ersten Waldlauf über 5000
m und belegte ebenfalls Platz 3.
Nach
dem ersten Weltkrieg begann der rasante Aufstieg der Leichtathletik
im SC Westfalia. Wer kennt heute noch die Namen der Männer, die
den Grundstein für große Erfolge und Leistungen zwischen
den beiden Weltkriegen gelegt haben.: Theo Holsträter, Willi
Bock, Otto Reifenrath, Emil Hülsmann, Jupp Kassert und Dr. Rudi
Gerbsch werden immer als Väter der Leichtathletik im SCW
unvergessen bleiben. Arthur Grasse wurde 1925 westdeutscher Meister
über 10.000 m und der jugendliche Paul Kette glänzte mit
überdurchschnittlichen Leistungen über 400 m und 800 m. Mit
Paul Koppe, der von Berlin kommend zum SCW stieß, hatte unser
Verein einen vorzüglichen 400 m-Läufer in seinen Reihen,
der selbst gegen internationale Konkurrenz bestehen und mit 50,1 sec
glänzen konnte. Wie hoch der Leistungsstand im SC Westfalia bis
zum 2. Weltkrieg war, sei durch einige Leistungen belegt: 1934
sprintete Erwin Kittel die 100 m in 10,9 sec, der Jugendliche Josef
Wallek warf 1935 in Münster den Speer 51,60 m weit, Erich
Twardowski (A-Jugend) lief 1943 die 100 m in 11,1 sec, Erich
Winkelhake erreichte 2:39,0 Min über 1000 m und Günther
Meyer stieß 1940 die Kugel 13m weit. Und wer glaubt, City-Läufe
sind eine „Erfindung" unserer Zeit, der irrt gewaltig. Denn
am 2. Oktober 1921 fand auf der Bahnhofstraße der erste
Staffellauf "Quer durch Herne" statt, der in den kommenden
Jahren wiederholt wurde und bei dem das SCW-Team oftmals Sieger
wurde. Das 25 km - Laufen und Gehen „ Herne - Bochum - Herne"
das in den Jahren 1922 -1925 von Fritz Schötz vom SC Westfalia
ausgerichtet wurde, war sogar eine Veranstaltung internationalen
Zuschnitts. Seit 1934 ist das Stadion am Schloß Strünkede
Heimstätte des SC Westfalia,
das dann in den sechziger Jahren eine überdachte Tribüne
erhielt.
Bernd
Wimmers, einer der vielseitigsten Athleten der Strünkeder in den
letzten 50 Jahren, ist Hernes erster 2-Meter Hochspringer.
Gleich
nach dem 2. Weltkrieg begann der Wiederaufbau der Abteilung durch
Wilhelm Reuter,
Wilhelm
Langenbach und den unvergessenen Josef Krämer. Bei den ersten
deutschen
Leichtathletikmeisterschaften
1946 in Frankfurt wurde der Herner Sportpionier Oskar Lutz im
Trikot
der Strünkeder Vierter im Hammerwerfen und leitete die großen
Erfolge des jugendlichen
Trios
Niklas ( deutscher Jugendmeister 1953 ) Ewald Römer ( deutscher
Jugendmeister 1952 ) und
Ewald
Schwarz unter ihrem Trainer Kilian Happel in dieser Disziplin ein.
Die 50 km -
Gehermannschaft
Koschek/Kemper/Koppmeier holte 1949 die deutsche Vizemeisterschaft
nach
Herne.
Auch die Mädchen verbuchten ihre ersten großen Erfolge :
Sopart, Skibba, Sievers,
Wewerinke
und Steinhofer waren führend im westfälischen Sprint und
wurden mehrmals
Westfalenmeister
über 4 x 400 m. Leistungsträger in diesen Jahren waren der
Jugendmittelstreckler
Ernst
Hülsbusch (4. Platz bei den deutschen Jugendmeisterschaften 1950
über 1000 m),
Hochspringer
Wolf Michael Bühlmann und die viel zu früh verstorbenen
Ernst-Wilhelm Schütz
(100
m in 10,9 sec) und Richard Borgschulze, der einer der besten
westfälischen Langstreckler war.
Das
Gespann Wolske / Wille wurde zu Beginn der sechziger Jahre Motor der
Westfalia-
Leichtathletik.
Mit dem 5. Platz von Wolfgang Berger im Hochsprung bei den deutschen
Jugendmeisterschaften
in Mainz 1963 begann ein steter Aufstieg der Abteilung. Unvergessen
sind
die
Leistungen des jugendlichen Mehrkampftalents Bernd Wimmers, der
Hernes erfolgreichster
Hochspringer
ist und zu seiner Zeit zu den besten deutschen Nachwuchstalenten im
Sprung- und
Mehrkampfbereich
zählte. Mit dem Olympiateilnehmer 1964, Günther Krivec, der
beruflich kurze
Zeit
in Herne tätig war, erlebte der Dreisprung einen unerwarteten
Aufschwung im SCW.
Westfälische
und westdeutsche Meistertitel gingen durch ihn und den jugendlichen
Hartmut
Zywietz
an die Strünkeder. Wettkampffahrten in die Schweiz, Frankreich,
Irland (siehe weiteren Bericht im Anschluss!) und Finnland
zählen
zu den schönen Erinnerungen der Jahre 1969 - 1972. In Zürich
steigerte sich Ulrich Simon
auf
10,6 sec über 100 m - später lief er sogar noch 10,5 sec -
und war mit 21,8 sec über 200 m und
48,8
sec über 400 m eindeutig Hernes Sprintkönig. Ja der Sprint
war schon immer eine starke
Disziplin
im SCW : 10,7 sec über 100 m liefen noch Heinz Heidicker, Jürgen
Lorenczat, Ulrich
Neuhaus
und Jürgen Peters. Im Jugendbereich glänzten Hermann Stowe
(100 m in 10,99 sec) und
Hans-Jürgen
Vogt (400 m in 49,9 sec) sowie Walther Günther (400 m in 49,9
sec). Zu
Staffelerfolgen
ist der SCW auch immer wieder über 4 x 400 m gekommen : das
Quartett Gerd
Kanacher
/ Ulrich Neuhaus / Ulrich Schaefer / Horst Jäger zählte
jahrelang zur westfälischen
Spitzenklasse
und bot selbst den Groß-Vereinen TV Wattenscheid und LG Olympia
Dortmund
Paroli.
Franz-Josef
Busemann, Vater des bekannten deutschen Zehnkämpfers Frank
Busemann, war für
kurze
Zeit Mitglied des SCW. Er hält immer noch den Vereinsrekord im
Fünfkampf und lief auch
in
der 4 x 400 m-Staffel mit. Der vielseitige Gerd Kanacher (400 m in
49,7 sec 800 m in l : 54,2
Min)
war auch ein vorzüglicher Springer mit 7,07 m im Weitsprung und
14,01 m im Dreisprung.
Die
überörtlichen Erfolge im Mittel- und Langstreckenbereich
begann in den siebziger Jahren mit
dem
Beitritt des Tunesiers Mohsen Ben Abdelali. Mit Andreas Morawe,
Joachim Dörmann, Klaus
Alhorn,
Eckhardt Sperlich und Uwe Niggemann bildete sich eine
vielversprechende Läufergarde,
die
zu ansehnlichen überörtlichen Erfolgen gekommen ist. Um den
Stabhochsprung machte sich zu
dieser
Zeit Karl-Heinz Trittner verdient, dessen Sohn Jörg heute noch
den Vereinsrekord mit 4,10 m Hält. Unter ihrem Trainer Hans
Trippelsdorf sind Ende der siebziger Jahre die Mädchen
von
Erfolg zu Erfolg gelaufen. Mit Elke und Iris Vollmer sowie Birgit
Scheuch verfügte die
Abteilung
über 3 Mädchen mit Bestzeiten unter 12 Sekunden und
Zwillingsschwester Heidrun
Scheuch
war kaum langsamer. 1978 wurde Elke Vollmer deutsche Jugendmeisterin
über 100 m.
Die
Zeit von 45,8 sec, die die 4 Mädchen seinerzeit über 4 x
100 m schafften, ist auch noch heute
eine
Spitzenzeit!
Topp-Mittel- und Langstreckler des SCW: Andreas Morawe, Joachim Dörmann, Klaus Alhorn und Frank Krowicki
Monika Schulte und Ursula Meurer waren mit Silvia
Jöhring und Ingeborg
Richter
westfälische Spitzenläuferinnen auf den Mittelstrecken. Mit
2:08,18 Min über 800 m und
4:30,0
Min über 1500 m lief Monika Schulte Vereinsrekorde, die noch
lange Bestand haben
werden.
Monika Schulte
1983 war dann das Jahr von Steffen Brandt, er setzte Maßstäbe
auf den Mittel- und
Langstrecken
im Jugendbereich. Er wurde deutscher Jugendmeister über 5000 m
und zusammen mit
Ralf
Schulte-Ladbeck und Frank Krowicki Westfalenmeister über 3 x
1000 m. Brandt wurde später
im
Trikot des TV Wattenscheid Fünfter über 3000 m Hindernis
bei den Spielen 1992 in Barcelona
und
Sechster bei den Leichtathletikweltmeisterschaften 1994.
Marco
Bänder und Ralf Messner waren die Topp-Athleten in den 90iger
Jahren. Mit 10,9 sec über 100 m und 7,14 m im Weitsprung
erzielte Messner überdurchschnittliche Leistungen. Bänder
überzeugte über 100 m mit ebenfalls 10,9 sec und mit 49,64
sec über 400 m. Zusammen mit Michael Schuer und Martin Schulz
wurden sie 1993 Westfalenmeister über 4 x 400 m und schlugen
dabei das favorisierte Quartett der LG Olympia Dortmund in 3:21,2
Min. Bei den Kleinen Deutschen Meisterschaften 1998 in Bremen sprang
für das Team Michael Rotthoff/Marco Bänder/Ralf
Messner/Christian Schwarzbach überraschend Platz 8 über 4 x
100 m heraus. Der trainingsfleißige Jens Witte war in Zeit der
beste Mittelstreckler im SC Westfalia. Der Strünkeder unterbot
2002 mit 1:58,92 Min die 2-Minuten-Marke über 800 m. Im
Jugendbereich war der 17jährige Mathias Ratsch das
Aushängeschild der Strünkeder. Er lief glänzende 22,76
sec über 200 m und schaffte den Sprung in die Bestenliste des
DLV für 2003 über diese Strecke.
Mit
Sarah Milerski, Melanie Ratsch, Alexandra Kunke und Hanna
Reckmeier gab es auch im
Mädchenbereich
hoffnungsvolle Talente, die von Dirk Wallböhmer zumindest an
westfälisches
Niveau
herangeführt wurden. Martin und Kurt Schulz bemühten sich um den
jüngsten
Leichtathletiknachwuchs.
Auch
die Seniorenleichtathletik nimmt einen gebührenden Raum in der
SCW-Leichtathletik ein.
Die
Senioren sind erfolgreich : die 4 x 400 m Staffel der Männer
wurde in der Besetzung
Kroos/Kanacher/Simon/Jäger
deutscher Meister in der Altersklasse M40 und Gerd Kanacher wurde in
der gleichen Altersklasse dreimal deutscher Vizemeister im
Dreisprung. Unzählige Westfalen- und Westdeutsche Meistertitel
hat das Trio Detlev Lachmann (M45), Ulrich Zeiske (M65) und Herbert
Dziarstek (M70) in den letzten Jahren auf den verschiedensten
Langstrecken erlaufen.
Zunächst
selbst als Aktiver (u.a. 5000 m in 15:57,2 Min), dann gleichzeitig
als Leichtathletikobmann und heute nur noch als Obmann und Trainer
seiner Jugend- und
Mittelstreckenläufern
hat Klaus Wille einen langen Abschnitt der 100jährigen
Landfriedensbruches im SC Westfalia hautnah miterlebt. Wer hat schon
das Glück, mehr als 40 Jahre das Vertrauen seiner
Landfriedensbruches zu genießen! Teamgeist und Kameradschaft
hatten und haben in der Leichtathletik des SCW einen hohen
Stellenwert, dies haben die meisten Aktiven mit Einsatzbereitschaft
und Fernsteure honoriert. In einer Zeit, in der das Finanzielle auch
eine sehr wichtige Rolle spielt, sind nur sehr wenige Aktive den
Verlockungen der benachbarten Großvätern erlegen. Die
Erfahrung hat gezeigt, dass sich nur eine geringe Zahl der
Abgewanderten bei den anderen Vereinen durchgesetzt hat, so
Sprinterin Elke Vollmer, Hochspringer Michael Probst (2,21 m) und
natürlich Topp-Langstreckler Steffen Brand. An dieser Stelle sei
daher allen gedankt, die daran mitgewirkt haben und heute dazu
beitragen, dass die Leichtathletik im SC Westfalia während ihrer
langen Vereinsgeschichte und auch heute einen guten Ruf auch über
Herne hinaus genießt. Das Vermächtnis der Gründerväter
unserer Leichtathletikabteilung muß uns Verpflichtung sein,
alles daran zu setzen, das Fortbestehen der Abteilung auch in
Zukunft zu gewährleisten.
Klaus
Wille
Ja,
das waren noch Zeiten !
Im
August 1970 waren Westfalias Leichtathleten mit einem starken Team in
Irland und starteten mit Erfolg bei Wettkämpfen in Dublin
und Limerick. Im John F. Kennedy-Stadion in Dublin siegten Jürgen
Lorenczat über 100 m in 10,7 sec und Gerd Kanacher über 400
m in 49,7 sec.
Die
Jugendlichen Winfried Urban (100 m in 11,6 sec), Hubert Ringendahl
(200 m in 23,8 sec) und Heinz Mönch (400 m in 52,5 sec) rundeten
mit Siegen den Erfolg der Westfalia-Athleten in der irischen
Hauptstadt ab.
In
Limerick mussten die Herner auf einer für sie ungewohnten
Grasbahn (nicht Aschenbahn !) starten. Und sie waren auch hier
erfolgreich: bei den Männern siegten Jürgen Lorenczat
über 100 Yards in 10,2 sec, Horst Jäger über 200 m in
23,1 sec und Gerd Kanacher über 440 Yards in 51,2 sec. Bei den
Jugendlichen gab es 1. Plätze durch Bernd Wimmers im Hochsprung
(1,83 m), Heinz Mönch über 800 m (2:09,1 Min) und Winfried
Urban über 100 Yards in 10,7 sec. Vergleichskämpfe gegen
die Concliffe Harriers und den AC Guiness Dublin konnten die
Westfalia-Athleten für sich entscheiden. Man sieht, auch vor 40
Jahren haben die Strünkeder Athleten schon mit bemerkenswerten
Leistungen aufwarten können, mit Leistungen, mit denen sie auch
heute noch erfolgreich sein würden!
Klaus Wille
stehend
von links nach rechts: Hubert Ringendahl,Bernd Wimmers, Horst Jäger,
Heinz Mönch, Klaus Wille, Manfred Mahlke, Gerd Kanacher, Jürgen
Lorenczat und Trainer Günter Wolske
vordere
Reihe sitzend: Ulrich Krause, Falk Hohnekamp, Arnold Augner, Wolfgang
Junggebauer, Winfried Urban